Nationaler NCL-Kongress 2021, ein Rückblick


Austausch aktueller Forschungsergebnisse

Unser Nationaler NCL-Kongress dient dem Austausch aktueller Forschungsergebnisse auf dem NCL-Gebiet mit Schwerpunkt auf der CLN3-Erkrankung.


Das Ziel der jährlichen Treffen ist es, die Vernetzung zwischen Forscher:innen und Kliniker:innen aus dem akademischen Bereich und der Biotechnologie zu fördern, um die Entwicklung von Therapien bestmöglich voran zu bringen. Mehr als 50 geladene Teilnehmende waren dieses Jahr dabei, darunter Forscher:innen aus dem NCL-Bereich, Mitglieder unseres wissenschaftlichen Beirats und auch von Batten Disease Foundations in den USA und Europa sowie Eltern von betroffenen Kindern.

Die beiden Kongress-Tage waren jeweils einem speziellen Schwerpunktthema gewidmet - der erste Tag konzentrierte sich auf die Netzhaut-Degeneration mit Vorträgen zu klinischen Aspekten, Gentherapieansätzen und CLN3-Netzhaut-Tiermodellen; der zweite Tag behandelte die Rolle der adaptiven und angeborenen Immunzellen bei NCL:

Die Netzhaut-Degeneration ist das früheste und einheitlichste klinische Merkmal bei Kindern mit CLN3-Krankheit. Auch heute noch werden die meisten Kinder in einem Stadium diagnostiziert, in dem die Netzhaut-Degeneration bereits deutlich fortgeschritten ist. Dies erschwert die Behandlung der Netzhautsymptomatik bei CLN3-Patienten erheblich. Daher ist es für eine effektive Therapie unabdingbar, die Diagnose in ein präsymptomatisches Stadium zu verschieben, bevor also die Netzhaut-Degeneration soweit fortgeschritten ist, dass ein Aufhalten des Funktions- und Zellverlusts nicht mehr möglich ist. Auch nur die Lichtsensibilität zu erhalten, wäre schon ein großer Fortschritt und sehr bedeutend für die Lebensqualität der Patienten.
Es gibt Hinweise, dass eine ZNS-gerichtete Gentherapie mit AAV (Adeno-assoziierte Viren) auch die Retina erreichen kann, doch Spezies-Unterschiede in der Verschaltung des neuronalen Netzwerks zwischen Retina und Gehirn machen klinisch relevante Vorhersagen aus Tiermodellen bisher noch zu unzuverlässig. Retina-gerichtete Therapien mit AAV und vielleicht auch Anti-Sense-Oligonukleotide (ASOs) werden wahrscheinlich in Kombination mit einer ZNS-gerichteten Therapie angewandt werden müssen. Ausnahmen könnten Therapien mit niedermolekularen Verbindungen darstellen.
Ferner machen es die Netzhaut betreffende erhebliche Speziesunterschiede von Nagetieren und Primaten schwer vorhersagbar, welcher Zelltyp (oder welche Zelltypen) bei Patienten adressiert werden muss (müssen). 


Zum adaptiven und angeborenen Immunsystem ist zu bemerken, dass genetische und experimentelle Ergebnisse aus anderen neuro-degenerativen Erkrankungen wie Alzheimer und Formen der frontotemporalen Demenz auf eine klare Rolle der Mikroglia im Krankheits-geschehen hinweisen, den angeborenen Immunzellen des Gehirns. Daten, die in präklinischen Mausmodellen gesammelt wurden, unterstützen die Rolle sowohl der adaptiven als auch der angeborenen Immunzellen bei der Verstärkung der Krankheit. Daher könnte die Dämpfung von krankheitsverstärkenden Mechanismen, die durch Immunzellen verursacht werden, ein breit anwendbares therapeutisches Prinzip bei neurodegenerativen Erkrankungen einschließlich NCL sein.  
Im Gegensatz zu Therapien wie Gentherapie und ASOs, die versuchen, die fehlende CLN3-Funktion ursächlich zu korrigieren, können Immunmodulatoren wahrscheinlich keine große krankheitsmodifizierende oder -verändernde Rolle spielen. Doch solche Behandlungen könnten einen signifikanten Einfluss auf die Lebensqualität der Patienten im fortschreitenden Krankheitsprozess haben.

 

Kurz gesagt, es bleibt noch vieles unbekannt und es gibt viele Ansätze zu verfolgen. Die jüngsten Entwicklungen geben jedoch Anlass zur Hoffnung auf neue therapeutische Wege und auf relevante Biomarker, die essenziell für eine klinische Entwicklung sind. Die Erkenntnisse aus den vielfältigen Vorträgen stimmen uns zuversichtlich, dass unsere gemeinsamen Anstrengungen und die gegenseitige Unterstützung im Kampf gegen NCL Früchte tragen wird, um das Leben von Patienten zu  verbessern.

 

Einen ausführlichen Bericht zum Kongress finden Sie in unserem 11. Forschungs-Newsletter, Mai 2021.